/ Pflegeblog / Von Mechthild Die Pflege von Angehörigen zu Hause ist eine große Herausforderung, die viel Organisation und Wissen erfordert. Damit Du gut vorbereitet bist, erfährst Du hier, welche Leistungen die Pflegeversicherung bietet, wie Du Unterstützung bekommst und worauf Du im Alltag achten solltest. So kannst Du die Pflege zu Hause sicher und menschlich gestalten – ganz nach den aktuellen Regeln und Möglichkeiten in Deutschland (Stand: 2025). Pflegegrade und Leistungen der Pflegeversicherung Die Grundlage für Leistungen der Pflegeversicherung bildet der Pflegegrad, der den individuellen Hilfebedarf in sechs Bereichen bewertet. Je höher der Pflegegrad, desto umfangreicher sind die Leistungen. Die Pflegegrade reichen von 1 (geringer Unterstützungsbedarf) bis 5 (starke Beeinträchtigung der Selbstständigkeit). Die Leistungen der Pflegekasse umfassen Geldleistungen, Sachleistungen und Kombinationsleistungen. Wichtig ist, dass Du den Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen musst, damit der Medizinische Dienst (MD) den Bedarf prüft. Pflegegrad beantragen bei der Pflegekasse der Krankenkasse MD begutachtet Pflegebedürftigkeit zu Hause Geldleistung (Pflegegeld) für private Pflege durch Angehörige Sachleistung für professionelle Pflegedienste Kombinationsleistung aus Geld- und Sachleistung möglich Zusätzliche Leistungen wie Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege Kriterium Pflegegrad 2 Pflegegrad 4 Pflegegeld (monatlich) 316 € 728 € Sachleistungsbudget (monatlich) 689 € 1.612 € Verhinderungspflege (jährlich) 1.612 € Unterstützung durch Pflegedienste und Hilfsmittel Pflegedienste können Dich bei der Grundpflege, Behandlungspflege und hauswirtschaftlichen Versorgung entlasten. Sie sind eine wichtige Stütze, wenn die Pflege zu Hause an ihre Grenzen kommt. Außerdem stellt die Pflegekasse kostenfreie Pflegehilfsmittel zur Verfügung, die den Alltag erleichtern. Hilfsmittel wie Pflegebetten, Rollstühle oder Pflegehilfsmittel für die Körperpflege kannst Du über die Pflegekasse beantragen. Auch ein Hausnotrufsystem bietet Sicherheit, falls Du kurzfristig Hilfe benötigst. Pflegedienste für medizinische und pflegerische Aufgaben Pflegehilfsmittel für Alltag und Mobilität Hausnotrufsystem für schnelle Hilfe im Notfall Beratungseinsätze zur Qualitätssicherung durch Pflegedienste Verhinderungspflege als Entlastung für Angehörige Entlastungsangebote und Beratung für Angehörige Die Pflege zu Hause bedeutet oft eine große Belastung für Angehörige. Deshalb gibt es verschiedene Entlastungsangebote, die Dir helfen sollen, die Pflege besser zu bewältigen. Die Pflegeversicherung unterstützt Dich dabei finanziell und organisatorisch. Regelmäßige Beratungsgespräche bei der Pflegekasse oder unabhängige Beratungsstellen sind wichtig, um den Pflegealltag zu organisieren und auf neue Herausforderungen zu reagieren. Auch Schulungen für pflegende Angehörige werden angeboten. Entlastungsbetrag von bis zu 125 € monatlich für Alltagsunterstützung Pflegekurse für Angehörige zur sicheren Pflege Psychosoziale Beratung und Selbsthilfegruppen Pflegeberatung durch Pflegekassen und unabhängige Stellen Unterstützung bei der Organisation von Pflegehilfen und Diensten Rechte und Pflichten bei der Pflege zu Hause Als pflegender Angehöriger hast Du Rechte, aber auch Pflichten. Du kannst Pflegegeld erhalten, wenn Du die Pflege selbst übernimmst, bist aber auch verpflichtet, die Pflege fachgerecht sicherzustellen. Die Pflegekasse prüft regelmäßig, ob die Pflege noch angemessen ist. Wichtig ist, dass Du Dir Pausen gönnst und Hilfe annimmst. Die Verhinderungspflege ermöglicht es Dir, für eine bestimmte Zeit Urlaub zu machen, während eine andere Person die Pflege übernimmt. Pflegegeld nur bei selbst erbrachter Pflege Regelmäßige Begutachtung durch den MD Verhinderungspflege bis zu 6 Wochen im Jahr Mitwirkungspflicht bei der Pflegeplanung Anspruch auf Beratung und Unterstützung Finanzielle Unterstützung und Sozialleistungen Die Pflegeversicherung übernimmt je nach Pflegegrad verschiedene Kosten, doch nicht alle Ausgaben sind abgedeckt. Zusätzliche finanzielle Hilfen können z. B. über die Sozialhilfe oder das Pflegeunterstützungsgeld bei Berufstätigkeit beantragt werden. Auch die Deutsche Rentenversicherung erkennt Pflegezeiten an, was für Deine spätere Rente wichtig sein kann. Informiere Dich über mögliche Zuschüsse und Förderungen, die je nach Bundesland unterschiedlich sein können. Pflegeunterstützungsgeld bei Verdienstausfall Rentenansprüche für Pflegezeiten Sozialhilfe bei finanziellen Engpässen KfW-Förderprogramme für barrierefreies Wohnen Regionale Zuschüsse und Landesförderungen Praktische Tipps für den Pflegealltag zu Hause Der Pflegealltag stellt Dich vor viele Herausforderungen. Eine gute Organisation, klare Abläufe und regelmäßige Pausen sind wichtig für Deine Gesundheit und die des Pflegebedürftigen. Nutze Hilfsmittel und hole Dir Unterstützung, wenn es zu viel wird. Plane auch kleine Auszeiten ein und halte Kontakt zu anderen pflegenden Angehörigen, um Erfahrungen auszutauschen. So bleibst Du motiviert und kannst die Pflege langfristig gut stemmen. Erstelle einen Pflegeplan mit festen Zeiten Nutze technische Hilfen und Pflegehilfsmittel Hole Dir regelmäßig Unterstützung von Pflegediensten Plane Entlastungszeiten zur Erholung ein Bleibe im Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen Fragen & Antworten Frage: Wie beantrage ich einen Pflegegrad für meinen Angehörigen? Antwort: Du stellst den Antrag bei der Pflegekasse der Krankenkasse Deines Angehörigen. Der Medizinische Dienst besucht dann zur Begutachtung die Wohnung, um den Pflegebedarf festzustellen. Frage: Kann ich Pflegegeld und Pflegedienstleistungen gleichzeitig nutzen? Antwort: Ja, das nennt sich Kombinationsleistung. Du kannst Geld und Sachleistungen bis zu bestimmten Höchstgrenzen kombinieren. Frage: Wer unterstützt mich, wenn ich als Pflegeperson krank werde? Antwort: Die Verhinderungspflege übernimmt die Kosten für eine Ersatzpflege, wenn Du vorübergehend ausfällst, z. B. wegen Krankheit oder Urlaub. Frage: Welche Hilfsmittel kann ich über die Pflegekasse bekommen? Antwort: Pflegehilfsmittel sind z. B. Pflegebetten, Rollstühle, Duschhocker oder Pflegehilfen für die Körperpflege. Sie werden auf Antrag von der Pflegekasse übernommen. Frage: Gibt es Schulungen für pflegende Angehörige? Antwort: Ja, die Pflegekassen bieten kostenlose Pflegekurse an, in denen Du praktische Tipps und Kenntnisse für die Pflege zu Hause bekommst. Die Pflege zu Hause verlangt viel Einsatz, doch mit den richtigen Informationen und Unterstützung kannst Du diese Aufgabe gut meistern. Es lohnt sich, die Angebote der Pflegeversicherung und Beratungsstellen zu nutzen und auf Deine eigene Gesundheit zu achten. Bundesministerium für Gesundheit – Pflegeversicherung, GKV-Spitzenverband – Pflegekassenleistungen, Medizinischer Dienst – Begutachtung Pflegegrad, Gesetze im Internet – SGB XI, Verbraucherzentrale – Pflegeberatung, Deutsche Rentenversicherung – Pflegezeiten, Bundesagentur für Arbeit – Pflegeunterstützungsgeld, Pflege Bayern – Landesinformationen Pflege MechthildMechthild Brunner, 68, examinierte Altenpflegerin i. R. – Jahrzehnte ambulant & stationär unterwegs, Demenz-WGs und Palliativbegleitung aus der Praxis. Hier teile ich alltagstaugliches Wissen für Pflege zu Hause: klar, menschlich, machbar. ← Vorheriger BeitragNächster Beitrag →