Ein Ulcus cruris, auch bekannt als „offenes Bein“, ist eine chronische Wunde am Unterschenkel, die besonders pflegebedürftig ist. Für Angehörige, die zu Hause pflegen, ist es wichtig, die Symptome früh zu erkennen und die richtige Pflege zu kennen. In diesem Beitrag erfährst Du praxisnahe Tipps, wie Du bei Ulcus cruris unterstützen kannst – verständlich und auf die Situation in Deutschland abgestimmt (Stand: 2025).
Was ist ein Ulcus cruris und wie entsteht es?
Ein Ulcus cruris ist eine offene Wunde am Unterschenkel, die meist durch eine schlechte Durchblutung entsteht. Es gibt verschiedene Arten, die häufigsten sind das Ulcus cruris venosum (durch Venenleiden) und das Ulcus cruris arteriosum (durch Arterienerkrankungen). Die Wunde reicht mindestens bis in die Lederhaut und heilt oft nur langsam.
Die Ursachen sind meist chronische Erkrankungen der Blutgefäße, die den Sauerstoff- und Nährstofftransport in der Haut stören. Ohne Behandlung können Schmerzen und Infektionen auftreten.
- Ursachen: Veneninsuffizienz, arterielle Durchblutungsstörung, Diabetes
- Symptome: offene, nässende Wunde, Schwellungen, Hautverfärbungen
- Risiko: schlechte Wundheilung, Entzündungen
- Wichtig: ärztliche Abklärung und Diagnose
Symptome erkennen – wann solltest Du aktiv werden?
Ein Ulcus cruris zeigt sich durch eine meist schmerzhafte, offene Stelle am Unterschenkel. Die Wunde kann bluten, nässen oder einen unangenehmen Geruch entwickeln. Begleitend sind oft geschwollene Beine und Hautveränderungen zu beobachten.
Frühes Erkennen hilft, die Wunde besser zu versorgen und Komplikationen zu vermeiden. Achte auf folgende Anzeichen:
- Offene Stellen, die nicht heilen
- Verfärbte oder verhärtete Haut
- Schmerzen oder Brennen an der betroffenen Stelle
- Schwellungen im Unterschenkel
- Fieber oder Anzeichen einer Infektion
Behandlung und Pflege zu Hause – was Angehörige wissen sollten
Die Behandlung eines Ulcus cruris erfolgt immer in Abstimmung mit Ärzt:innen und Pflegefachkräften. Deine Aufgabe als Angehörige:r ist, die Wundversorgung zu unterstützen und auf Hygiene zu achten. Das regelmäßige Anlegen von Kompressionsverbänden ist oft entscheidend für die Heilung.
Wichtig ist, die Wunde sauber zu halten und Infektionen zu vermeiden. Die Pflegekasse kann Leistungen für Verbandmaterial und Pflegehilfsmittel übernehmen (SGB XI/V, Stand: 2025).
- Wundreinigung mit ärztlich empfohlenen Lösungen
- Regelmäßiger Verbandswechsel nach Anleitung
- Kompressionstherapie zur Unterstützung der Durchblutung
- Beobachtung der Wunde auf Veränderungen
- Dokumentation der Wundentwicklung
| Kriterium | Selber machen | Fachkraft beauftragen |
|---|---|---|
| Verbandswechsel | Mit Anleitung und sauberem Material | Bei Unsicherheit oder komplizierten Wunden |
| Kompression anlegen | Nach Schulung möglich | Bei Schmerzen oder falscher Technik |
| Wundbeobachtung | Regelmäßig kontrollieren | Bei Auffälligkeiten sofort melden |
Unterstützung durch die Pflegekasse und medizinische Dienste
In Deutschland hast Du als pflegender Angehöriger Anspruch auf Unterstützung durch die Pflegekasse. Das gilt besonders bei chronischen Wunden wie dem Ulcus cruris. Leistungen können z. B. Pflegegeld, Sachleistungen für häusliche Pflege und Hilfsmittel umfassen.
Der Medizinische Dienst (MD) prüft den Pflegegrad und unterstützt bei der Einordnung der Pflegebedürftigkeit. Je nach Pflegegrad stehen weitere Leistungen zur Verfügung (Stand: 2025, kann je Bundesland variieren).
- Pflegegeld für Angehörige
- Verordnung von Kompressionsstrümpfen und Verbandsmaterial
- Beratung durch ambulante Pflegedienste
- Unterstützung bei Anträgen und Formalitäten
Alltagstipps für die Pflege zu Hause
Die Pflege eines Ulcus cruris erfordert Geduld und Sorgfalt. Kleine Veränderungen im Alltag können die Wundheilung fördern und Deinen Angehörigen entlasten. Achte auf eine angenehme Liegeposition und vermeide Druckstellen.
Auch eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Heilung. Stress und Überlastung solltest Du als pflegender Angehöriger vermeiden, denn Deine Gesundheit ist wichtig.
- Beine hochlegen, um Schwellungen zu reduzieren
- Kompressionsstrümpfe konsequent tragen
- Hautpflege mit rückfettenden Cremes
- Gesunde Ernährung mit ausreichend Proteinen und Vitaminen
- Regelmäßige Bewegung nach Absprache
- Eigene Pausen und Entlastung organisieren
Wichtige Ansprechpartner und Hilfsangebote
Nutze die Unterstützung von Fachleuten und Beratungsstellen, um die Pflege sicher und gut zu gestalten. Ärzte, ambulante Pflegedienste und Wundexperten stehen Dir mit Rat und Tat zur Seite. Auch Selbsthilfegruppen können eine wertvolle Unterstützung sein.
Bei Fragen zu Pflegeleistungen hilft die Pflegekasse oder unabhängige Patientenberatung weiter. Das Pflegeunterstützungsgeld kann bei einer vorübergehenden Vertretung durch andere Angehörige beantragt werden (Stand: 2025).
- Hausärztin/Hausarzt für medizinische Betreuung
- Ambulante Pflegedienste für praktische Hilfe
- Pflegekasse für finanzielle Leistungen und Beratung
- Unabhängige Patientenberatung bei Konflikten
- Selbsthilfegruppen für Austausch und Unterstützung
Fragen & Antworten
- Frage: Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einem Ulcus cruris venosum und arteriosum?
Antwort: Das venöse Ulcus zeigt meist nässende Wunden mit geschwollenen Beinen, das arterielle Ulcus ist oft schmerzhaft mit trockener, blasser Haut. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig.
- Frage: Wie oft muss der Verband gewechselt werden?
Antwort: Das hängt vom Wundzustand und ärztlicher Anweisung ab, meist täglich oder alle zwei Tage. Wichtig ist, auf Sauberkeit zu achten.
- Frage: Kann ich die Kompressionsstrümpfe selber anlegen?
Antwort: Ja, nach einer Anleitung ist das möglich. Bei Problemen oder Schmerzen sollte eine Fachkraft helfen.
- Frage: Welche Leistungen übernimmt die Pflegekasse?
Antwort: Pflegegeld, Sachleistungen für Pflegehilfsmittel und Beratung gehören zu den Leistungen. Die Höhe richtet sich nach dem Pflegegrad.
- Frage: Was mache ich bei Anzeichen einer Infektion?
Antwort: Sofort ärztlichen Rat einholen, besonders bei Fieber, Rötung oder starkem Schmerz. Infektionen können die Heilung stark verzögern.
Die Pflege eines Ulcus cruris ist herausfordernd, aber mit Wissen und Unterstützung kannst Du viel bewirken. Bleibe aufmerksam, nutze Hilfsangebote und achte auch auf Dich selbst – gemeinsam schafft Ihr das.
Bundesministerium für Gesundheit – Gesundheitliche Versorgung, GKV-Spitzenverband – Pflegeleistungen, Medizinischer Dienst – Pflegeberatung, Gesetzliche Pflegeversicherung (SGB XI), Verbraucherzentrale – Pflege zu Hause, Deutsche Rentenversicherung – Pflegezeiten, Bundesagentur für Arbeit – Pflegeunterstützungsgeld
Mechthild Brunner, 68, examinierte Altenpflegerin i. R. – Jahrzehnte ambulant & stationär unterwegs, Demenz-WGs und Palliativbegleitung aus der Praxis. Hier teile ich alltagstaugliches Wissen für Pflege zu Hause: klar, menschlich, machbar.

