Zu Hause zu pflegen bedeutet oft, kleine und große Herausforderungen im Alltag zu meistern. Dabei ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und strukturiert vorzugehen, um den Pflegealltag besser zu organisieren. In diesem Beitrag zeigen wir dir praxisnahe Tipps, wie du deinen Pflegealltag sicher und entspannt gestalten kannst – immer mit Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland (Stand: 2025).
Pflegeleistungen der Pflegekasse nutzen
Wenn du zu Hause pflegst, hast du Anspruch auf verschiedene Leistungen über die Pflegekasse. Diese unterstützen dich finanziell und organisatorisch, damit die Pflege gut gelingt. Wichtig ist, dass der Pflegegrad der betreuten Person festgestellt ist – dies regelt das SGB XI.
Die Pflegekasse bietet dir unter anderem Geldleistungen, Sachleistungen und Kombinationsleistungen an. So kannst du selbst entscheiden, wie viel du selbst übernehmen möchtest und wo professionelle Hilfe sinnvoll ist.
- Pflegegeld für die häusliche Pflege durch Angehörige
- Pflegesachleistungen für professionelle Pflegekräfte
- Kombinationsleistungen aus Geld- und Sachleistungen
- Entlastungsbetrag für zusätzliche Betreuungsangebote
- Verhinderungspflege bei eigener Krankheit oder Urlaub
- Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
Medizinischer Dienst und Pflegebegutachtung
Der Medizinische Dienst (MD) spielt eine zentrale Rolle bei der Feststellung des Pflegegrades. Er bewertet die Selbstständigkeit und den Unterstützungsbedarf der pflegebedürftigen Person. Diese Begutachtung ist die Grundlage für alle weiteren Leistungen.
Der MD prüft auch, ob die häusliche Pflege ausreichend ist oder ob weitere Hilfen nötig sind. Die Pflegekasse kann dich bei der Organisation der Begutachtung unterstützen.
- Begutachtung vor Antrag auf Pflegeleistungen
- Regelmäßige Folgebegutachtungen zur Anpassung des Pflegegrades
- Beratung zu Hilfsmitteln und Pflegehilfen
- Unterstützung bei Beschwerden und Widersprüchen
Pflegegeld beantragen und verwalten
Das Pflegegeld ist eine finanzielle Unterstützung, die du direkt von der Pflegekasse erhältst, wenn du selbst pflegst. Es ist wichtig, den Antrag frühzeitig zu stellen, damit die Leistungen nahtlos fließen.
Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich nach dem Pflegegrad und kann jährlich angepasst werden. Du kannst das Geld flexibel einsetzen, etwa für Pflegehilfen oder zur Entlastung.
- Antrag bei der Pflegekasse stellen (schriftlich oder online)
- Pflegegrad durch MD feststellen lassen
- Pflegegeld wird monatlich ausgezahlt
- Pflegegeld kann mit Sachleistungen kombiniert werden
- Regelmäßige Überprüfung des Pflegebedarfs
Entlastungsangebote und Kurzzeitpflege
Um deine eigene Gesundheit zu schützen, sind Entlastungsangebote und Kurzzeitpflege sehr wichtig. Sie geben dir Pausen und ermöglichen dir, neue Kraft zu tanken.
Die Pflegekasse stellt dafür einen Entlastungsbetrag bereit, den du für verschiedene Angebote nutzen kannst. Kurzzeitpflege ist eine vorübergehende stationäre Betreuung, wenn du mal nicht pflegen kannst.
- Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro monatlich nutzen
- Ambulante Betreuungs- und Entlastungsdienste
- Kurzzeitpflege für bis zu 8 Wochen pro Jahr
- Verhinderungspflege als Ersatz bei eigener Auszeit
- Regionale Unterschiede bei Anbietern beachten
Rechte und Pflichten als pflegender Angehöriger
Als pflegender Angehöriger hast du nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Dazu gehören zum Beispiel ein Anspruch auf Beratung und Unterstützung durch die Pflegekasse. Außerdem kannst du Pflegezeiten bei der Rentenversicherung anrechnen lassen.
Es ist wichtig, deine eigene Gesundheit nicht zu vernachlässigen und bei Überforderung Hilfe zu suchen. Die Pflegekasse und verschiedene Beratungsstellen sind hier wichtige Ansprechpartner.
- Anspruch auf Pflegeberatung (§ 7a SGB XI)
- Pflegeunterstützungsgeld bei Verdienstausfall
- Pflegezeit und Familienpflegezeit beantragen
- Rentenansprüche durch Pflege anerkennen lassen
- Unterstützung bei Konflikten mit Pflegekasse oder MD
Hilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen
Hilfsmittel können den Pflegealltag erheblich erleichtern. Die Pflegekasse übernimmt Kosten für viele Geräte und Anpassungen in der Wohnung, die die Selbstständigkeit fördern.
Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen umfassen z. B. den Einbau von Haltegriffen oder Treppenliften. Diese Investitionen erhöhen die Sicherheit und den Komfort für die pflegebedürftige Person.
- Beantragung von Pflegehilfsmitteln über die Pflegekasse
- Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bis zu 4.000 Euro
- Hilfsmittel wie Pflegebetten, Rollstühle oder Notrufsysteme
- Beratung durch Pflegeberater oder den MD
- Unterschiedliche Förderung je nach Bundesland möglich
| Kriterium | Hilfsmittel | Wohnumfeldverbesserung |
|---|---|---|
| Kostenübernahme | Pflegekasse bis zu festgelegten Höchstbeträgen | Bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme |
| Beispiele | Rollstuhl, Pflegebett, Inkontinenzmaterial | Haltegriffe, Rampe, Treppenlift |
| Antragstellung | Pflegekasse mit ärztlichem Nachweis | Pflegekasse nach Begutachtung |
| Wichtig | Regelmäßige Kontrolle und Anpassung | Regionale Unterschiede beachten |
Fragen & Antworten
- Frage: Wie beantrage ich Pflegegeld bei der Pflegekasse?
Antwort: Du stellst einen schriftlichen Antrag bei der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person. Danach erfolgt eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, der den Pflegegrad feststellt.
- Frage: Wer führt die Begutachtung durch?
Antwort: Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder ein anderer beauftragter Dienst bewertet den Pflegebedarf.
- Frage: Kann ich Pflegezeit beim Arbeitgeber nehmen?
Antwort: Ja, es gibt gesetzliche Regelungen zur Pflegezeit und Familienpflegezeit, die dir Freistellung ermöglichen können.
- Frage: Welche Entlastungsangebote gibt es?
Antwort: Dazu zählen Betreuungsdienste, Tagespflege, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege, die finanziell durch die Pflegekasse unterstützt werden.
- Frage: Was tun bei Überforderung?
Antwort: Suche frühzeitig Beratung bei der Pflegekasse oder unabhängigen Beratungsstellen und nutze Entlastungsangebote, um deine Gesundheit zu schützen.
Die Pflege zu Hause ist eine große Aufgabe, die du mit der richtigen Unterstützung gut meistern kannst. Nutze die vorhandenen Leistungen und scheue dich nicht, Hilfe anzunehmen – für dich und deine Liebsten.
Bundesministerium für Gesundheit – Pflege,
GKV-Spitzenverband – Pflegekassenleistungen,
Medizinischer Dienst – Begutachtung,
Gesetze im Internet – SGB XI,
Verbraucherzentrale – Pflegeberatung,
Deutsche Rentenversicherung – Pflegezeiten,
Bundesagentur für Arbeit – Pflegezeit
Mechthild Brunner, 68, examinierte Altenpflegerin i. R. – Jahrzehnte ambulant & stationär unterwegs, Demenz-WGs und Palliativbegleitung aus der Praxis. Hier teile ich alltagstaugliches Wissen für Pflege zu Hause: klar, menschlich, machbar.

