Zu Hause einen Angehörigen zu pflegen ist eine große Herausforderung, die viel Einsatz und Herz erfordert. Dabei ist es wichtig, die richtigen Unterstützungsangebote und Leistungen der Pflegeversicherung zu kennen. Dieser Artikel zeigt dir praxisnah, wie du einen Pflegegrad beantragst, welche Leistungen dir zustehen und wie du den Pflegealltag besser organisieren kannst – alles verständlich erklärt und auf den Stand 2025 bezogen.
Pflegegrad beantragen: Schritt für Schritt
Der erste wichtige Schritt bei der häuslichen Pflege ist die Beantragung eines Pflegegrades. Dieser entscheidet darüber, welche Leistungen du von der Pflegekasse erhältst. Der Antrag kann online, telefonisch oder schriftlich bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden.
Nach Antragseingang schickt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst (MD) oder ein unabhängiges Begutachtungsteam vorbei, um den Pflegebedarf zu prüfen. Dabei wird geschaut, wie selbstständig die pflegebedürftige Person noch ist.
- Pflegekasse kontaktieren und Antrag stellen
- Begutachtungstermin mit dem MD vereinbaren
- Vorbereitung auf den Termin: Tagesablauf und Unterstützung dokumentieren
- Ergebnis abwarten und Pflegegradbescheid erhalten
- Widerspruch möglich bei Unstimmigkeiten
Was bedeuten die Pflegegrade?
Die Pflegegrade 1 bis 5 beschreiben, wie viel Unterstützung ein Mensch im Alltag braucht. Je höher der Pflegegrad, desto umfangreicher sind die Leistungen der Pflegeversicherung. Der Grad wird anhand verschiedener Kriterien wie Mobilität, kognitive Fähigkeiten und Selbstversorgung ermittelt.
Ein Pflegegrad ist nicht gleichbedeutend mit einer bestimmten Diagnose, sondern richtet sich nach dem tatsächlichen Hilfebedarf.
- Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung
- Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung
- Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung
- Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen
| Kriterium | Pflegegrad 2 | Pflegegrad 4 |
|---|---|---|
| Hilfebedarf pro Tag | mind. 90 Minuten | mind. 5 Stunden |
| Kognitive Einschränkungen | erheblich | schwer |
| Selbstversorgung | teilweise eingeschränkt | stark eingeschränkt |
Leistungen der Pflegeversicherung im Überblick
Je nach Pflegegrad stehen dir unterschiedliche Leistungen zu, die den Pflegealltag erleichtern. Dazu gehören Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Kombileistungen und zusätzliche Unterstützungen wie Kurzzeitpflege oder Entlastungsbetrag.
Diese Leistungen kannst du flexibel nutzen, um professionelle Hilfe oder private Unterstützung zu finanzieren.
- Pflegegeld: Geldleistung für private Pflege durch Angehörige
- Pflegesachleistung: Finanzierung von professionellen Pflegediensten
- Kombinationsleistung: Mischung aus Pflegegeld und Pflegesachleistung
- Entlastungsbetrag: 125 Euro monatlich für zusätzliche Hilfe
- Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Zuschüsse für barrierefreies Wohnen
| Leistung | Pflegegrad 2 | Pflegegrad 5 |
|---|---|---|
| Pflegegeld | 316 € | 901 € |
| Pflegesachleistung | 689 € | 2.095 € |
| Entlastungsbetrag | 125 € | 125 € |
Pflegezeit und finanzielle Absicherung für pflegende Angehörige
Die Pflege eines Familienmitglieds kann zeitlich und emotional sehr belastend sein. Deshalb gibt es verschiedene gesetzliche Regelungen, die dir Freiräume und finanzielle Unterstützung bieten.
Zum Beispiel kannst du Pflegezeit oder Familienpflegezeit beantragen, um dich zeitweise ganz auf die Pflege zu konzentrieren. Gleichzeitig besteht Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld, wenn du kurzfristig aus dem Beruf aussteigst.
- Pflegezeit: bis zu 6 Monate Freistellung vom Job
- Familienpflegezeit: bis zu 24 Monate mit reduzierter Arbeitszeit
- Pflegeunterstützungsgeld: Lohnersatz für bis zu 10 Tage
- Rentenansprüche durch Pflegezeiten bei der Deutschen Rentenversicherung
Tipps für den Pflegealltag: Organisation und Selbstfürsorge
Eine gute Organisation hilft dir, den Pflegealltag besser zu bewältigen. Plane feste Abläufe, nutze Hilfsmittel und hole dir Unterstützung, wenn du sie brauchst. Auch auf deine eigene Gesundheit solltest du achten, um langfristig für deinen Angehörigen da sein zu können.
Praktische Tipps erleichtern den Alltag und schaffen Freiräume für Erholung.
- Führe einen Pflegeplan mit wichtigen Terminen und Aufgaben
- Nutze technische Hilfsmittel wie Erinnerungs-Apps oder Notrufsysteme
- Teile die Pflegeaufgaben mit anderen Familienmitgliedern oder ambulanten Diensten
- Plane regelmäßige Pausen und Zeiten für dich selbst ein
- Informiere dich über lokale Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote
Wo du weitere Unterstützung findest
Die Pflegekasse ist dein erster Ansprechpartner für alle Fragen rund um Pflegeleistungen und Anträge. Zusätzlich kannst du Beratung bei unabhängigen Stellen oder Pflegestützpunkten in Anspruch nehmen, die oft auch regional unterschiedliche Angebote haben.
Auch Ärzte, Sozialdienste und Wohlfahrtsverbände bieten Hilfe und Informationen an.
- Pflegekasse (versicherte Krankenkasse)
- Medizinischer Dienst (MD) für Begutachtung
- Pflegestützpunkte in deiner Region
- Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)
- Sozial- und Beratungsdienste von Wohlfahrtsverbänden
Fragen & Antworten
- Frage: Wie lange dauert die Begutachtung für den Pflegegrad?
Antwort: In der Regel erfolgt die Begutachtung innerhalb von wenigen Wochen nach Antragstellung. Die Pflegekasse informiert dich über den Termin.
- Frage: Was passiert, wenn der Pflegegrad abgelehnt wird?
Antwort: Du kannst innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen und ggf. weitere Unterlagen einreichen oder eine erneute Begutachtung beantragen.
- Frage: Kann ich Pflegegeld und Pflegesachleistung gleichzeitig nutzen?
Antwort: Ja, eine Kombination ist möglich, dabei wird das Pflegegeld anteilig gekürzt, je nachdem wie viel professionelle Hilfe du in Anspruch nimmst.
- Frage: Welche Leistungen gibt es für Demenzkranke?
Antwort: Neben den allgemeinen Pflegeleistungen gibt es zusätzliche Hilfen und Beratungen, die speziell auf Demenz abgestimmt sind, z. B. durch spezialisierte Pflegedienste.
- Frage: Wie kann ich als pflegender Angehöriger meine eigene Gesundheit schützen?
Antwort: Nutze Angebote wie Pflegekurse, Selbsthilfegruppen und achte auf regelmäßige Pausen und ausreichend Schlaf, um Belastungen besser zu bewältigen.
Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die mit der richtigen Unterstützung und Organisation gut gelingen kann. Nutze die vielfältigen Leistungen der Pflegeversicherung und scheue dich nicht, Hilfe anzunehmen – du bist nicht allein.
Bundesministerium für Gesundheit – Pflegeversicherung, GKV-Spitzenverband – Leistungen der Pflegeversicherung, Medizinischer Dienst – Begutachtung, Gesetzesportal – SGB XI, Verbraucherzentrale – Pflegegeld und Leistungen, Deutsche Rentenversicherung – Pflegezeiten, Bundesagentur für Arbeit – Pflegezeit und Pflegeunterstützungsgeld
Mechthild Brunner, 68, examinierte Altenpflegerin i. R. – Jahrzehnte ambulant & stationär unterwegs, Demenz-WGs und Palliativbegleitung aus der Praxis. Hier teile ich alltagstaugliches Wissen für Pflege zu Hause: klar, menschlich, machbar.

