Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist eine große Herausforderung, die viel Herz und Organisationstalent erfordert. Dabei gibt es zahlreiche gesetzliche Leistungen und Unterstützungsangebote, die dir helfen können, den Alltag zu meistern. Dieser Beitrag erklärt dir praxisnah und verständlich, welche Rechte und Möglichkeiten du als pflegender Angehöriger in Deutschland hast (Stand: 2025).
Grundlagen der Pflege zu Hause
Bei der Pflege zu Hause wird eine pflegebedürftige Person im vertrauten Umfeld betreut. Die Pflege kann durch Angehörige, ehrenamtliche Helfer oder professionelle Pflegekräfte erfolgen. Ziel ist es, die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen möglichst lange zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.
Die Pflegebedürftigkeit wird durch den Medizinischen Dienst (MD) bewertet und in Pflegegrade eingeteilt. Diese Einstufung entscheidet über die Art und Höhe der Leistungen durch die Pflegekasse.
- Pflege im eigenen Zuhause oder bei Verwandten
- Betreuung durch Angehörige oder professionelle Pflegekräfte
- Pflegegrade 1 bis 5 bestimmen den Unterstützungsbedarf
- Leistungen der Pflegekasse unterstützen die häusliche Pflege
Leistungen der Pflegekasse für die häusliche Pflege
Die Pflegekasse bietet verschiedene Leistungen, die dich als Angehörigen entlasten und die Pflege sichern. Dazu zählen das Pflegegeld, die Pflegesachleistungen und die Kombinationsleistung. Je nach Pflegegrad und Bedarf kannst du diese Leistungen individuell nutzen.
Pflegegeld ist Geld, das du direkt für die Pflege durch Angehörige erhältst. Pflegesachleistungen werden für professionelle Pflegekräfte gezahlt, die zu Hause kommen. Die Kombinationsleistung erlaubt eine Mischung aus beidem.
- Pflegegeld: Geldleistung für die Pflege durch Angehörige
- Pflegesachleistungen: Kostenübernahme für ambulante Pflegedienste
- Kombinationsleistung: Teilweise Pflegegeld und Teil Pflegesachleistung
- Verhinderungspflege: Ersatzpflege bei Ausfall der Hauptpflegeperson
| Kriterium | Pflegegeld | Pflegesachleistung |
|---|---|---|
| Wer erhält die Leistung? | Angehörige oder ehrenamtliche Pflegepersonen | Professionelle ambulante Pflegedienste |
| Verwendung | Freie Verwendung für Pflege und Betreuung | Direkte Abrechnung mit Pflegekasse |
| Kombinationsmöglichkeit | Ja, teilweise mit Pflegesachleistung kombinierbar | Ja, teilweise mit Pflegegeld kombinierbar |
Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige
Pflegende Angehörige erhalten vielfältige Unterstützung, um die Belastung zu reduzieren. Dazu gehören die Pflegeberatung, Schulungen und finanzielle Hilfen wie das Pflegeunterstützungsgeld. Auch die Möglichkeit der Verhinderungspflege ist wichtig, wenn du selbst eine Pause brauchst.
Mit einer Pflegeberatung kannst du dich über alle Leistungen informieren und individuelle Lösungen finden. Schulungen helfen dir, Pflegetechniken sicher anzuwenden und deinen Angehörigen besser zu versorgen.
- Individuelle Pflegeberatung durch die Pflegekasse
- Schulungen und Kurse für pflegende Angehörige
- Pflegeunterstützungsgeld bei Arbeitsausfall
- Verhinderungspflege als Ersatz bei Ausfall der Pflegeperson
Organisation des Pflegealltags
Eine gute Organisation ist das A und O bei der Pflege zu Hause. Strukturierte Abläufe und klare Zuständigkeiten helfen, Stress zu reduzieren. Erstelle einen Pflegeplan, in dem alle Aufgaben und Termine festgehalten werden.
Nutze Hilfsmittel wie Kalender, Erinnerungen und Pflege-Apps. Kommuniziere offen mit allen Beteiligten, um Überlastung zu vermeiden. Auch die Einbindung von weiteren Familienmitgliedern oder Nachbarn kann entlasten.
- Pflegeplan mit Aufgaben und Zeiten erstellen
- Hilfsmittel wie Kalender oder Apps nutzen
- Regelmäßige Kommunikation im Pflege-Team
- Auf Unterstützung von Familie und Freunden setzen
Rechte und Pflichten von pflegenden Angehörigen
Als pflegende Person hast du Rechte, aber auch Pflichten. Du kannst Pflegezeit oder Familienpflegezeit in Anspruch nehmen, um dich auf die Pflege zu konzentrieren. Gleichzeitig bist du für die Qualität der Pflege verantwortlich.
Es ist wichtig, auf deine eigene Gesundheit zu achten und rechtzeitig Unterstützung zu suchen. Die Pflegekasse bietet Beratung und Hilfen, um Überlastung zu vermeiden. Dokumentiere die Pflegeleistungen sorgfältig, das erleichtert spätere Anträge.
- Anspruch auf Pflegezeit und Familienpflegezeit
- Verantwortung für fachgerechte Pflege
- Recht auf Beratung und Entlastungsleistungen
- Selbstfürsorge und rechtzeitige Entlastung suchen
Wichtige Anlaufstellen und Beratungsangebote
Es gibt viele Stellen, die dich als pflegenden Angehörigen unterstützen. Die Pflegekasse ist dein erster Ansprechpartner für Leistungen und Beratung. Auch der Medizinische Dienst (MD) hilft bei der Begutachtung der Pflegebedürftigkeit.
Zusätzlich bieten unabhängige Beratungsstellen, Verbraucherzentralen und Landespflegeberatungen wertvolle Hilfen. Nutze diese Angebote frühzeitig, um den Pflegealltag besser zu gestalten.
- Pflegekasse für Leistungsanträge und Pflegeberatung
- Medizinischer Dienst für Pflegegradbegutachtung
- Unabhängige Patientenberatung und Verbraucherzentralen
- Regionale Pflegeberatungsstellen (kann je Bundesland variieren)
Fragen & Antworten
- Frage: Wie beantrage ich Pflegeleistungen für meinen Angehörigen?
Antwort: Pflegeleistungen beantragst du über die Pflegekasse der pflegebedürftigen Person. Ein Antrag kann online, telefonisch oder schriftlich gestellt werden. Danach folgt die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst.
- Frage: Kann ich Pflegegeld und Pflegesachleistungen gleichzeitig nutzen?
Antwort: Ja, das nennt sich Kombinationsleistung. Du kannst beide Leistungen anteilig nutzen, je nach Bedarf und Pflegegrad.
- Frage: Wer berät mich bei Problemen in der häuslichen Pflege?
Antwort: Deine Pflegekasse bietet kostenlose Pflegeberatung an. Auch unabhängige Beratungsstellen und Verbraucherzentralen sind gute Anlaufstellen.
- Frage: Was passiert, wenn ich als pflegende Person krank werde?
Antwort: Du kannst Verhinderungspflege beantragen, damit eine Ersatzpflegeperson einspringt. Diese Leistung steht dir bis zu sechs Wochen im Jahr zu.
- Frage: Welche Rechte habe ich in Bezug auf Arbeitszeit bei Pflege?
Antwort: Du hast Anspruch auf Pflegezeit oder Familienpflegezeit, um die Pflege mit deinem Beruf zu vereinbaren. Diese Regelungen sind gesetzlich im SGB XI und SGB V verankert.
Die Pflege zu Hause ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die du mit den richtigen Informationen und Unterstützungen gut bewältigen kannst. Bleib offen für Hilfe und nutze die vielfältigen Angebote, um deinen Angehörigen bestmöglich zu begleiten.
Bundesministerium für Gesundheit – Pflege,
GKV-Spitzenverband – Pflegeleistungen,
Medizinischer Dienst – Begutachtung,
Gesetzesportal – SGB XI,
Verbraucherzentrale – Pflegeberatung,
Deutsche Rentenversicherung – Pflegezeiten,
Bundesagentur für Arbeit – Pflegeunterstützungsgeld
Mechthild Brunner, 68, examinierte Altenpflegerin i. R. – Jahrzehnte ambulant & stationär unterwegs, Demenz-WGs und Palliativbegleitung aus der Praxis. Hier teile ich alltagstaugliches Wissen für Pflege zu Hause: klar, menschlich, machbar.

