Zu Hause zu pflegen ist eine große Herausforderung, die viel Herz und Organisationstalent erfordert. Mit den richtigen Informationen zu den gesetzlichen Leistungen und Abläufen kannst du deine Liebsten bestmöglich unterstützen und dir selbst Entlastung schaffen. Dieser Beitrag erklärt dir praxisnah, wie Pflege in Deutschland nach dem Sozialgesetzbuch XI (SGB XI) funktioniert und welche Unterstützung du als Angehörige*r erwarten kannst (Stand: 2025).

Was regelt das Sozialgesetzbuch XI für die Pflege zu Hause?

Das SGB XI ist das zentrale Gesetz für die soziale Pflegeversicherung in Deutschland. Es definiert, wann jemand pflegebedürftig ist, welche Leistungen es gibt und wie du diese beantragen kannst. Die Pflegeversicherung unterstützt dich finanziell und organisiert die Pflegekassen als Ansprechpartner.

Wichtig ist, dass Pflegebedürftigkeit anhand von Pflegegraden eingestuft wird, die den Umfang der Unterstützung bestimmen. Der Medizinische Dienst (MD) prüft die Pflegebedürftigkeit und empfiehlt den Pflegegrad.

  • Pflegegrad 1 bis 5, von geringer bis schwerster Beeinträchtigung
  • Leistungen richten sich nach dem Pflegegrad
  • Pflegekasse ist dein erster Kontakt für Anträge
  • MD führt Begutachtung durch
  • Regionale Unterschiede bei manchen Leistungen möglich

Leistungsarten der Pflegeversicherung für die häusliche Pflege

Die Pflegeversicherung bietet verschiedene Leistungen, die du miteinander kombinieren kannst. Dazu gehören Geldleistungen, Sachleistungen und Kombinationsleistungen.

Geldleistungen erhältst du, wenn du selbst pflegst oder Angehörige die Pflege übernehmen. Sachleistungen werden für professionelle Pflegedienste ausgezahlt. Kombinationsleistungen sind eine Mischung aus beidem.

  • Pflegegeld für private Pflege
  • Pflegesachleistung für ambulante Dienste
  • Kombinationsleistung aus Geld und Sachleistung
  • Entlastungsbetrag für zusätzliche Angebote wie Tagespflege
  • Leistungen für Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Leistungsart Beschreibung Beispiel
Pflegegeld Geldbetrag für private Pflegepersonen Pflege durch Angehörige
Pflegesachleistung Leistung für professionelle Pflegedienste Ambulanter Pflegedienst kommt nach Hause
Kombinationsleistung Kombination aus Pflegegeld und Sachleistung Teils professionelle Pflege, teils Angehörige

Pflegegrad beantragen und Begutachtung durch den MD

Um Leistungen zu erhalten, musst du einen Pflegegrad beantragen. Das machst du bei der Pflegekasse, die zur Krankenkasse gehört. Nach dem Antrag kommt der Medizinische Dienst (MD) zur Begutachtung.

Der MD prüft die Selbstständigkeit und den Hilfebedarf in verschiedenen Lebensbereichen. Das Ergebnis bestimmt den Pflegegrad, der die Grundlage für alle Leistungen bildet.

  • Antrag direkt bei der Pflegekasse stellen
  • MD begutachtet zu Hause oder telefonisch (je nach Situation)
  • Bewertung erfolgt nach festen Kriterien (Mobilität, Alltag, kognitive Fähigkeiten)
  • Bescheid über Pflegegrad bekommst du schriftlich
  • Widerspruch möglich, wenn du mit dem Ergebnis nicht einverstanden bist

Praktische Tipps für die Organisation der häuslichen Pflege

Die häusliche Pflege erfordert viel Planung und Struktur. Es hilft, einen festen Tagesablauf zu entwickeln und Aufgaben zu verteilen. Nutze Entlastungsangebote und hole dir Unterstützung von professionellen Diensten.

Wichtig ist auch, auf deine eigene Gesundheit zu achten und Pausen einzuplanen. Pflege bedeutet oft auch emotionale Belastung, deshalb sind Austausch und Beratung sehr wertvoll.

  • Pflegeplan erstellen mit festen Zeiten und Aufgaben
  • Entlastungsbetrag für Betreuungsangebote nutzen
  • Professionelle Pflegekräfte ergänzend einsetzen
  • Familie und Freunde in die Pflege einbinden
  • Selbstfürsorge nicht vergessen (Pausen, Austausch)

Finanzielle Unterstützung und weitere Leistungen

Die Pflegeversicherung unterstützt dich finanziell, aber auch andere Stellen bieten Hilfen an. Zum Beispiel kannst du Pflegeunterstützungsgeld beantragen, wenn du kurzfristig die Pflege übernimmst.

Zusätzlich gibt es Zuschüsse für technische Hilfsmittel oder Wohnraumanpassungen, die die Pflege erleichtern. Informiere dich bei der Pflegekasse oder den Landesstellen über regionale Förderungen.

  • Pflegeunterstützungsgeld für kurzfristige Pflegevertretung
  • Zuschüsse für Pflegehilfsmittel (z. B. Pflegebett, Notrufsystem)
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (z. B. Rampen, Haltegriffe)
  • Entlastungsbetrag für zusätzliche Betreuungsangebote
  • Regionale Förderprogramme können variieren

Unterstützung durch Beratungsstellen und Pflegeschulungen

Viele Pflegekassen bieten kostenlose Beratungen und Pflegeschulungen an. Diese helfen dir, die Pflege fachgerecht und sicher zu gestalten. Auch Selbsthilfegruppen und soziale Dienste sind wertvolle Anlaufstellen.

Beratungsbesuche sind oft Voraussetzung für bestimmte Leistungen und geben dir Sicherheit im Pflegealltag. Nutze diese Angebote, um dich zu informieren und auszutauschen.

  • Beratungsbesuche bei der Pflegekasse
  • Pflegeschulungen zu Grundpflege und Umgang mit Erkrankungen
  • Selbsthilfegruppen für Angehörige
  • Soziale Dienste für Unterstützung im Alltag
  • Online- und Telefonberatungen als ergänzende Hilfe

Fragen & Antworten

  • Frage: Wie beantrage ich einen Pflegegrad für meinen Angehörigen?

    Antwort: Den Antrag stellst du bei der Pflegekasse der Krankenkasse deines Angehörigen. Danach organisiert die Pflegekasse den Begutachtungstermin mit dem Medizinischen Dienst.

  • Frage: Kann ich Pflegegeld und Pflegesachleistungen gleichzeitig nutzen?

    Antwort: Ja, du kannst eine Kombinationsleistung beantragen, um beides anteilig zu erhalten, wenn z. B. professionelle Pflege und Angehörigenpflege kombiniert werden.

  • Frage: Was passiert, wenn ich mit dem Pflegegrad nicht einverstanden bin?

    Antwort: Du kannst innerhalb eines Monats nach Bescheid Widerspruch einlegen und ggf. eine erneute Begutachtung beantragen.

  • Frage: Welche Unterstützung gibt es für pflegende Angehörige?

    Antwort: Neben dem Pflegegeld gibt es Entlastungsangebote, Beratungen, Pflegeschulungen und Pflegeunterstützungsgeld für Auszeiten.

  • Frage: Wo finde ich regionale Unterschiede in der Pflegeförderung?

    Antwort: Manche Leistungen und Zuschüsse können je nach Bundesland variieren. Informiere dich bei deiner Pflegekasse oder dem zuständigen Landesministerium.

Die Pflege zu Hause ist eine anspruchsvolle Aufgabe, aber mit dem richtigen Wissen und Unterstützung kannst du diese Herausforderung gut meistern. Nutze die gesetzlichen Leistungen und scheue dich nicht, Hilfe anzunehmen – für dich und deine Liebsten.

Bundesministerium für Gesundheit – Pflegeversicherung,
GKV-Spitzenverband – Pflegekassen,
Medizinischer Dienst – Begutachtung,
Gesetze im Internet – Sozialgesetzbuch XI,
Verbraucherzentrale – Pflege und Recht,
Deutsche Rentenversicherung – Pflegezeiten,
Bundesagentur für Arbeit – Pflegeunterstützungsgeld